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  Das Urteil
Musik-Projekt von Eberhard Kloke
     
           
     

Programm I:
Sa, 20. September 2003 16h
So, 21. September 2003 16h
Programm II:
Sa, 20. September 2003 20h
So, 21. September 2003 20h

 
           
  Das Urteil      
   
entwickelt ein heutiges Modell konzeptioneller Programmatik und deren künstlerisch-organisatorischer Umsetzung.
Instrumentalisten, Vocalisten und Schauspieler aus ganz Deutschland kommen für ein Projekt zusammen, in welchem Musik, Raum und Publikum - jenseits der ausgetretenen Pfade der offiziellen Musiklandschaften - in neue Spannung versetzt werden sollen...
Das Musikprojekt DAS URTEIL in der Hörsaalruine des Medizinhistorischen Museums der Charité setzt mit seinen archaischen, mythologischen und tiefenpsychologischen SeelenLandschaften aus Musik und Literatur einen Kontrapunkt zu den dort konservierten ent-seelten Körperwelten.
DAS URTEIL bildet den Abschluss einer Reihe von Veranstaltungen in Deutschland, in denen unter extrem unterschiedlichen (örtlich-)räumlichen Bedingungen verschiedene Programm-Module erarbeitet und ausprobiert wurden.
 
           
   

Zu den Programmteilen I und II
Ives`"The Unanswered Question" stellt am Anfang des Projekte die "UrFrage" in den KlangRaum Ruine, Heissenbüttels "Was was was was" setzt dazu das sprachliche Pendant.

Programm I
1. Teil: Stimme-Instrument
Vielfältigkeit der Ebenen und Ausdrucksmöglichkeiten von komponierten Stimm-Klängen stellen die Programmteile von Monteverdi bis Cage dar, Diese vier StimmModelle zeigen stringent die Aussagekraft des gesungenen WORTES in der ZEIT.
OPER (in bearbeiteter Version) repräsentiert als Theater des SINGENS nur als eine Variante theatralischer Dramatik, und dies in herausgehobener AusdrucksFORM.

Cages ARIA für Stimme (any range), im Schnittpunkt von Stimm-Ausdruck zwischen Gesang (Akrobatik) und Sprache (kognitive Verständigungsebene), bildet Schlusspunkt und Anfang zugleich. Die grafische Notation, gesetzt zwischen präziser Anweisung und "freier" Klangdetermination, war 1958 KlangBild und Symbol für die Suche nach gegenwärtigen und authentischen Klängen.

2. Teil: Instrument-Stimme
Der zweite Teil setzt instrumentale und vokale Bedeutungsfelder, also Musikstücke aus unterschiedlichen Zeiten und Stilen, in ein Sprach-Netzwerk aus Tagebuchaufzeichnungen Elias Canettis.

Richard Wagners "Waldvogel"-Szenen, bei deren genialischer Verwendung von Tier-Stimme und -Sprache das Vor- und Unbewusste eine sprachliche Transformation und theatralische Bedeutung erfahren, stehen am Ende des Musikprogrammes, ehe Canettis Text direkt auf den Bezug zum ORT (medizinhistorisches Museum) verweist: "...nun belebt sich der Ort mit Toten..."

Programm II
1. und 2. Teil: Laboratorium "Mensch" bei Mahler, Berg und Kafka
Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen sind gleichsam Urform und Keimzelle seines gesamten symphonischen Schaffens. Das Lied von der Erde bildet Endpunkt und Vermächtnis. Der zeitliche Kreislauf reicht also von 1884 bis 1910.
Genau an diese zeitliche Schnittstelle werden Alban Bergs Fünf Orchesterlieder nach Ansichtskarten-Texten von Peter Altenberg aus dem Jahr 1912 gesetzt.

Bei Kafkas "Urteil" wird durch die Bearbeitung das Kernsujet "dramatisiert", um den Text in eine live-Situation zu adaptieren. Fragmente des Textes (hier also die wörtliche Rede) werden also genutzt, um eine theatralische (weniger szenische) Grundsituation glaubhaft herzustellen.
Dieser Dialog zwischen Vater, Sohn und Braut wird als Monolog einer multiplen Schauspieler-Persönlichkeit mit Mahlers "Abschied" (Lied von der Erde) und Bergs "Altenberglieder" collagiert.

Es entsteht ein neuer, innerer Zusammenhang, ohne das Einzelteile von Musik oder Text verändert, denunziert oder parodiert werden (müssten).

Eine bearbeitete Version von Ives` "The Unanswered Question" bildet den Schluss des Projektes und steht als Symbol für eine immer wieder neu zu stellende FRAGE zum Laboratorium Mensch.

Eberhard Kloke

 
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